Selbstorganisation
Ein sehr persönliches Geschäft

Baugemeinschaften dieser Größe stehen in einem Spannungsfeld: Sie brauchen eine funktionierende geschäftliche Grundlage und einen „common sense“ über demokratische Mitbestimmung und Gestaltung des Gemeinschaftslebens. Das erfordert von allen eine ausgeprägte Bereitschaft zum Kompromiss.

Wie ein mittelständisches Unternehmen Es müssen Verfahren gefunden werden, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen, Konflikte zu lösen und dieses Dorfprojekt wirtschaftlich zu bewegen. Aus der Erkenntnis heraus, dass ein Wohnprojekt dieser Größe nur mit einer professionellen Beratung und Begleitung zu realisieren ist, wurde schon früh eine Projektberatungsgesellschaft beauftragt, mit uns gemeinsam das große Vorhaben umzusetzen.

Verein Der als gemeinnützig und mildtätig anerkannte Verein Allmende Wulfsdorf e.V. ist das ideelle Herzstück des Dorfprojektes. Vereinsziele sind die Förderung der Kultur, des integrativen Wohnens, der Kinder- und Jugendarbeit und der Forschung ökologischer Landbaumethoden. Dem Verein gehören sieben Mietwohnungen (fünf Sozial-, eine Bestandswohnung sowie eine frei finanzierte Wohnung), was seinen sozialen Charakter deutlich werden lässt – ein Unterschied zu herkömmlichen Baugemeinschaften.

Dem Verein “Allmende Wulfsdorf e. V.” wird über unsere Teilungserklärung für den Fall des Verkaufs einer Wohnung ein Ankaufsrecht (zur Verhinderung eines überhöhten oder gar spekulationsartigen Verkaufspreises) und ein Vorkaufsrecht (zur Verhinderung des Verkaufs an von der jeweiligen Hausgemeinschaft nicht gewünschte Personen) eingeräumt.

GBR 2004 haben die ersten 61 Bauparteien und der Allmende Wulfsdorf e.V. das Grundstück von der Freien und Hansestadt Hamburg erworben. Für die Zeit der Bauphase schlossen sich alle Hausgemeinschaften, Gewerbeeinheiten und der Allmende Wulfsdorf e.V. als Eigentümer von Mietwohnungen je Gebäude in einer Bau-GbR zusammen. Diese bilden den organisatorischen Rahmen zur Abwicklung der Bauphase; sie werden danach aufgelöst. Die Allmende Wulfsdorf GbR ist verantwortlich für die Koordination der Baumaßnahmen und die Erschließung (Planung und Bau der Versorgungseinrichtungen für Wasser, Abwasser, Regenwasser, Strom und Wärme) sowie Gestaltung des Geländes. Alle Eigentümer- sind GesellschafterInnen dieser GbR sowie MiteigentümerInnen in der WohnungseigentümerInnen-Gemeinschaft (WEG) Allmende Wulfsdorf, die sich Anfang 2005 konstituiert hat. Diese befasst sich mit der Nutzung, Erhaltung und Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums. Nachdem die Verwaltung zunächst durch ein Team von Bewohnerinnen übernommen worden war wurde später eine externe Verwalterin von der WEG mit der Verwaltung des Gemeinschaftseigentumes beauftragt.

Bürgerstiftung Die Allmende-Bürgerstiftung wurde Ende 2005 gegründet. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Hamburg will regionale Projekte der Kinder- und Jugendarbeit fördern. Sie möchte Bürgerinnen und Bürger gewinnen, die sich ehrenamtlich in diesen Projekten engagieren. Die Allmende-Bürgerstiftung möchte so in der Region Hamburg gestalterische Kräfte mobilisieren und zur Stärkung des Gemeinwesens beitragen. Die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit unterstützen vorrangig Kinder aus sozial benachteiligten Familien in den Bereichen Sportangebote, Betreuung, Jugendtreffpunkt und Ferienkurse. Ein weiterer Zweck der Stiftung ist die ideelle und materielle Unterstützung des Kindergartens Integrativer Kindergarten Buchenkamp e.V. durch die Bereitstellung von kindgerechten, ökologisch erbauten Räumen und einer naturnahen Grundstücksgestaltung.

Entscheidungen treffen – und an die anderen denken Auf Allmende haben sich verschiedene Gremien und Arbeitsgruppen gebildet, in denen sich die BewohnerInnen mit viel Raum für Kreativität aktiv einbringen können. Die thematischen Arbeitsgruppen kümmern sich um verschiedene Aspekte der Planung oder des Gemeinschaftslebens.

Beispiele dafür sind der Dorfrat (Entscheidungsvorbereitung für Versammlungen, Fragen des täglichen Zusammenlebens), Lenkungsgruppe (Koordinations- und Entscheidungsgremium für organisationsübergreifende Themen), die AG Büro, Turnhallencrew, Eigenleistungs-AG, AG Betreutes Wohnen, AG Sozialfonds (verwaltet den von uns eingerichteten Sozialfonds, der in finanzielle Not geratene Menschen aus dem Projekt unterstützt). Von Zeit zu Zeit führen wir „Visionstage“ durch, um unser Selbstverständnis und den grundsätzlichen Kurs des Projektes weiter zu entwickeln und unsere Wünsche für die Zukunft auszutauschen. Hierfür nehmen wir die Hilfe externer Moderatoren in Anspruch.

Eigenleistung ist Gemeinschaftsarbeit Um unser Gemeinschaftsprojekt und unser schönes Gelände zu entwickeln, zu pflegen und zu hegen, braucht es viel Zeit und viele HelferInnen. Wie aber sorgt man dafür, dass die Arbeit getan wird, und wie verteilt man sie? Wer erstellt und pflegt unsere Grünanlagen und Wege, wer macht die Gremienarbeit, wer verwaltet und wartet unsere Gebäude und andere Liegenschaften? Wir haben ein Eigenleistungsmodell entwickelt, das verbindliche Regeln für alle schafft und auch Ausnahmen zulässt. Nach mehreren Jahren Erfahrung haben wir das Modell ausgesetzt, nun werden die Arbeiten an von der Eigenleistungsgruppe festgesetzten Terminen durchgeführt Eine Arbeitsgruppe entscheidet über Ausnahmen und übernimmt die Organisation und Koordination der Tätigkeiten. Wir finden, dass die gemeinsame Arbeit am Ganzen wesentlich zum Gelingen beiträgt. Alle übernehmen damit aktiv Verantwortung für das Gemeinschaftseigentum. Zudem ist die Eigenleistung für uns wirtschaftlich notwendig, da sie uns für viele Arbeiten Kosten spart, die sonst an Fachbetriebe vergeben würden.

Eine WEG-Versammlung (WohnungsEigentümerGemeinschaft) - die wichtigen Dinge werden in großen Runden besprochen und entschieden. - Copyright des Fotos: Udo Lembke
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Gemeinsames Pflastern der Dorfstraße in der Anfangsphase.
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Die 3 Dinge, die man im Leben tun soll: Baum pflanzen, Haus bauen und Wohnprojekt gründen.
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Nach 6 Jahren leider schon notwendig: der große Wegbeleuchtungs-Reparaturtag. - Copyright des Fotos: Silvia Sass
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Die akute Bauphase - bereits wenige Jahre danach bilden sich erste Legenden aus dieser arbeitsamen Zeit.
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